Flug an den Rand des Weltalls

Ihr Ansprechpartner Dirk Winkel

Am Dienstag, den 7.6., ab 9:30 Uhr, starteten die unmittelbaren Vorbereitungen für einen Stratosphärenballon am Gymnasium Philippinum. Mit der erhaltenen Aufstiegserlaubnis der
Behörden stand nun dem Termin nichts mehr im Wege.


Das “Strato-Projekt” begann schon vor gut zwei Jahren als AG-Projekt, der Start des schulischen Wetterballons, der in eine Höhe von 35.000 bis 40.000m aufsteigen soll, musste aber durch den Corona-Lockdown unbestimmt verschoben werden.
Den ambitionierten Flug an den Rand des Weltalls hat daher nun federführend der Informatikkurs unter dem Motto “Daten messen – Daten übertragen – Daten auswerten” übernommen. Dabei gibt es unterschiedliche Anknüpfungspunkte auch an andere Fächer und Kurse in der Schule.


Der Ballon soll während seines Fluges zahlreiche Daten wie Luftdruck, Temperatur, UV-Strahlung, Feinstaub und weitere aufzeichnen. Außerdem sollen zwei Kameras den Flug bis in eine Höhe filmen, in der die Kugelgestalt der Erde deutlich wird. Nach dem Platzen des Heliumballons in etwa 35.000-40.000m Höhe wird die Sonde am Fallschirm auf die Erde zurück gleiten und dann dank des GPS-Trackings geborgen werden. Die wichtigsten Daten sollen dabei zu Beginn live übertragen und auf der eigens dafür entwickelten Webseite https://strato.gpmr.de dargestellt werden. Nach dem zu erwartendem Abbruch der Funkverbindung erfolgt die Aufzeichnung weiter und wird anschließend in die Webseite eingespielt.

Der für 9:55 Uhr geplante Start auf dem Vorhof der Schule sollte vor viel Publikum erfolgen.


Nach dem aufgrund eines verstopften Ventils leicht verzögerten (10:18 Uhr), aber dann erfolgreichen Start konnten die ersten Flugdaten direkt über eine Mobilfunkverbindung empfangen werden und auch einzelne Bilder schon online gestellt werden bis in gut 3000m Höhe wie erwartet keine Verbindung zur Sonde mehr möglich war.


Elf Schülerinnen und Schüler begaben sich in die Nähe des berechneten Landeplatzes östlich des Edersees, wo wir gespannt auf Kontakt zur Sonde warteten. Gut eine halbe Stunde später als erwartet erhielten wir die Positionsdaten etwa 25km entfernt vom kalkulierten Landepunkt. Etwa 10km nördlich von Frankenberg konnten wir dann die Sonde erfolgreich von einer Pferdewiese bergen.


Die erste Datenauswertung ergibt, dass der Ballon an der Grenze zu NRW in einer Höhe von 39431m platzte und die Sonde dann am Fallschirm zur Erde zurück kehrte. Die mitgeführte Kamera zeichnete den Flug mit faszinierenden Bildern über Marburg, später dem Blick auf den gekrümmten Horizont der Erde, dem Mond und Sternen und dem Platzen des Ballons erfolgreich auf. Nur eine kurze Zeitspanne fehlt beim Fall mit dem Fallschirm oberhalb der Wolken: Möglicherweise hat die Temperatur kurz zu technischen Problemen geführt, die Temperatursensoren waren bei unter -40°C am unteren Limit, es dürfte deutlich kälter gewesen sein. Der einprogrammierte automatische Neustart tat aber seinen Dienst, so dass der Fall am Fallschirm durch die Wolken bis zur Landung auf der Pferdewiese wieder
gefilmt wurden.

In den kommenden Tagen und Wochen werden die zahlreichen aufgenommenen Daten und Bilder aufgearbeitet, ausgewertet und auf der Projektseite (strato.gpmr.de) zugänglich gemacht. Die schulische Video-AG schneidet das Abenteuer zu einem Film, der dann auf der Projektseite und der Schulhomepage zu bestaunen sein wird.


Dirk Winkel (AG-Leiter Strato-AG und Kursleiter Informatik)