Marburger Geschichtsverein informiert

u. a. über das alte Schulgebäude des Philippinum

Hierzu schreibt die Oberhessische Presse:

Von Landgrafen-Erziehung bis zu NS-Aufmärschen

Vorträge beim Geschichtsverein nehmen vor allem die hessische Landesgeschichte ins Visier

Von Manfred Hitzeroth

Marburg. Mit einem RĂĽckblick auf die hessische Landesgeschichte im 20. Jahrhundert startet das Winterprogramm des Marburger Geschichtsvereins. Professor Walter MĂĽhlhausen hält am 16. Oktober den dazugehörigen Vortrag. Darin will er sowohl ĂĽber die „starken demokratischen Kräfte“ referieren, die lange „dem Ansturm des Nationalsozialismus“ standhielten, als auch das Vorzeige-Bundesland in den Mittelpunkt stellen, das nach 1945 unter dem Stichwort „Hessen vorn“ Erfolge feierte. Doch danach habe es eben auch „hessische Verhältnisse“ gegeben, die eine Stagnation, gesellschaftliche Irrwege und Skandale beinhaltet hätten.

Alle Vorträge des Geschichtsvereins finden wie gewohnt immer donnerstags ab 18 Uhr im Landgrafensaal des Staatsarchivs Marburg statt. Die Bandbreite der Vortragspalette reicht von lokalgeschichtlichen Themen über landesgeschichtliche Streifzüge bis hin zu gesellschaftspolitischen Analysen.

Virtueller Rundgang in ehemaligem Schulgebäude

Thomas Winzer und Dr. Bernhard Rosenkötter stellen am 23. Oktober unter dem Stichwort „Digitale Zeitreise“ ein Projekt vor, bei dem das ehemalige Schulgebäude des Gymnasiums Philippinum in einer 3-D-Rekonstruktion wieder zum Leben erweckt wurde. Mithilfe von „Virtual Reality“ können Marburger von heute in dem 1973 wegen der Stadtsanierung abgerissenen ehemaligen Schulgebäude virtuell umhergehen.

Wie der Kulturgutschutz in bewaffneten Konflikten funktioniert, erklärt Staatsarchiv-Chef Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß am 30. Oktober. In seinen Vortrag bezieht er die historischen Perspektiven und aktuelle Herausforderungen im Umfeld aktueller Krisen wie des Ukrainekriegs gleichermaßen ein. „NS-Propaganda in bewegten Bildern“: Das ist am 4. Dezember der Titel des Vortrags von Dr. Lutz Vogel am Beispiel eines siebenminütigen Stummfilms, der in bewegten Bildern NS-Maiaufmärsche in den Jahren 1933 bis 1935 in Marburg zeigt. Der Referent will anhand dieser filmischen Ausschnitte auch die Wirkungsmechanismen der Selbstinszenierung der Nationalsozialisten analysieren.

„Latein, Jagd und zu viel Alkohol“

Die Funktionsweise der Erziehung am Beispiel der hessischen Landgrafen im 15. und 16. Jahrhundert – das Vortragsthema von Professor Benjamin Müsegades am 11. Dezember – führt die Zuhörer in das ausgehende Mittelalter und den Beginn der Frühen Neuzeit. „Latein, Jagd und zu viel Alkohol“: So lautet der Titel des Vortrags, in dem die Aufgaben von Eltern, Lehrern und Ammen sowie Schul- und Spielkameraden von künftigen Landgrafen untersucht werden.

Chancen und Risiken der landgräflichen Anleihepolitik

Wie funktionierte die fürstliche Kreditvergabe im späten 18. Jahrhundert? Dieses sehr modern anmutende Thema ergründet Dr. Karl Murk am 29. Januar 2026 in einem Vortrag am Beispiel der Landgrafen von Hessen-Kassel. Immerhin zählten sowohl Friedrich II. als auch sein Sohn und Nachfolger Wilhelm IX. in ihrer Zeit zu den gefragtesten Kreditgebern in ganz Europa. Murk begibt sich in seinem Vortrag auch auf die Spur der Chancen und Risiken der landgräflichen Anleihepolitik.

Auf die Spuren der ältesten Grabinschrift

Am 13. November erläutert Professor Rainer Polley die Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Rinteln von 1619 bis 1680. Professor Ulrich Ritzerfeld und Dr. Lutz Vogel sowie Niklas Alt und Stefan Aumann stellen am 22. Januar 2026 das neue Design des Landesgeschichtlichen Informationssystems „LAGIS“ vor. Auf die Spuren der ältesten Grabinschrift der heiligen Elisabeth von Thüringen begibt sich Dr. Julia Noll am 5. Februar 2026. Einen Vergleich von als regionalgeschichtliche Quellen unterschätzten Schulchroniken hat sich Dr. Elisabeth Schläwe für den 12. Februar 2026 vorgenommen.

Quellenangabe: Oberhessische Presse vom 01.10.2025, Seite 5